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Die Früchte von Medjugorje Eine Stellungnahme von P. Karl Wallner, Stift Heiligkreuz (Auszug)
... Die Kirche ist kein Mirakelverein, sondern sie ist von Christus in die Welt entlassen, um den Glauben an die Offenbarung Gottes mit „Hirn und Herz“ weiterzugeben. Christentum ist das Leben aus der Gnade Gottes, die uns ebenso innerlich mächtig wie der Erscheinung nach demütig in den Sakramenten der Kirche und in ihrem geistlichen Leben vermittelt wird. Das wichtigste Kriterium für außernatürliche Phänomene ist also, ob sie in diesen Kosmos des Wesenhaft-Übernatürlichen hineinführen, aus dem die Kirche gnadenhaft lebt. Oder ob sie bloßes Spektakel zur Inszenierung einer kurzlebigen religiösen Gänsehaut sind.
Damit komme ich zu meinem Zeugnis über die Früchte von Medjugorje. Das augenblickliche Urteil der Kirche über die Erscheinungen in der Herzegowina lässt alles offen. Seit 1991 bis heute vertreten der Vatikan als auch die (ehemals jugoslawische) Bischofskonferenz den Standpunkt „Non constat de supranaturalitate“: Es steht nicht fest, dass es sich um Übernatürliches handelt. Das ist weder ein Ja, noch ein Nein. Und man wird nur weiterkommen, wenn man sich daran hält. Die gegenwärtige Situation ist die einer kirchlichen Prüfung.
Wenn es aber keine definitive Entscheidung gibt, dann empfinde ich es als problematisch, wenn die einen mit oft aggressivem Unterton so tun, als wäre Medjugorje ein satanisches Blendwerk; zugleich ist es problematisch, wenn die anderen für Medjugorje missionieren, als ob von der Befolgung der Botschaften das Heil der Welt abhinge. Was insofern übertrieben ist, als es sich um geistliche Einladungen handelt. Ich denke, dass jeder theologisch Gebildete das Recht hat, dem Phänomen Medjugorje ratlos gegenüberzustehen. Wenn diese Phänomene einer regelmäßigen Einsprechung der Gottesmutter Maria an die Seher wahr sind, dann sind sie beispiellos in der gesamten Kirchengeschichte.
Kardinal Schönborn hat auf ein Prinzip verwiesen, das Jesus selbst lehrt
Wie froh bin ich als katholischer Theologe, dass es das kirchliche Lehramt gibt, das unauf-geregt, sachlich und theologisch nüchtern alles prüfen und uns hier sicher die rechte Weisung geben wird.
Zugleich bin ich Kardinal Christoph Schönborn sehr dankbar, dass er eine Hilfe gegeben hat, auch noch vor einem lehramtlichen Urteil mit Medjugorje umzugehen. Kardinal Schönborn hat auf das Prinzip verwiesen, das Jesus selbst lehrt, um die Geister zu unterscheiden, das Prinzip der Beurteilung der Früchte: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Erntet man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen?“ (Matthäus 7,16) Nun freilich lässt sich auch um die Früchte trefflich streiten: Der Bischof von Mostar wird nicht müde, einige im geistlichen Stand „verunglückten“ Priester anzuführen, weil er – und dies scheint mir der offenen Haltung des Vatikans diametral zu widersprechen – von der Nicht-Übernatürlichkeit der Erscheinungen überzeugt ist.
Von den Medjugorje-Fans werden als Früchte die vielen Bekehrungen angeführt, die vielen geistlichen Bewegungen, die sozialen Werke und Gebetsgruppen, die dort ihre Initialzündung erhielten; aber auch der Friede, den die „Königin des Friedens“ lange vor dem Balkankrieg gefordert hat und von dem die Botschaften immer wieder verlangen, dass er der persönlichen Beziehung zu Gott entspringt.
Eucharistie, Beichte, Gebet und ein Leben aus den Sakramenten
Persönlich habe ich ein klares Urteil über die Früchte von Medjugorje: Da ich ein nüchterner Mensch bin, habe ich die ersten Nachrichten in den 1980er Jahren mit großer Skepsis aufgenommen. Erst als Hans Urs von Balthasar zu meiner Überraschung sehr positiv über Medjugorje schrieb, habe ich dem Drängen von Jugendlichen nachgegeben und eine Pilgergruppe dorthin begleitet.
Ich war gerade fünf Wochen Priester, als ich im Juni 1988 vor der Kirche in Medjugorje aus dem Pilgerbus stieg. An diesem ersten Tag habe ich zehn Stunden Beichte gehört und seither bin ich persönlich davon überzeugt, dass die Früchte, die das Phänomen Medjugorje hervorbringt, auf keinen Fall vom Teufel sein können. Seit damals begleite ich fast jedes Jahr einen Jugendbus nach Medjugorje, und meine ersten Eindrücke haben sich im Laufe der Zeit bestätigt. Es ist vielleicht auch eine Fügung, dass ich Medjugorje immer nur von meinem „normalen“ priesterlichen Dienst her kennenlernen durfte, also von innen, von der Spendung der Sakramente.
Ich habe es als nüchterner Theologe bewusst vermieden, bei „Erscheinungen“ dabei zu sein oder den Sehern auch nur allzu nahe zu kommen. Meine Fragestellung an Medjugorje war immer: Geht es hier um eine Sakro-Show, also um das bloß Erscheinungshaft- Übernatürliche, oder geht es hier um den Kern, um das Wesenhaft-Übernatürliche? Meine Einsicht ist klar: Was ich in Medjugorje erlebt habe, sind keine faulen Früchte. Alles führt hin zur Eucharistie, zur Beichte, zum Gebet, zu einem Leben aus den Sakramenten, zur Treue gegenüber dem kirchlichen Lehramt.
Meine ursprüngliche Befürchtung, in Medjugorje einen Ort der Wundersucht und der Überdrehtheit zu finden, hat sich als unbegründet erwiesen. Beim letzten Jugendfestival im August 2009 erlebte ich zehntausende Jugendliche, die bei der eucharistischen Anbetung auf dem unbequemen Kieselboden knieten, junge Menschen, die Sehnsucht hatten, täglich die Heilige Messe mitzufeiern. Ich bezeuge, dass meine Stola täglich nass geworden ist von den Tränen der vielen, denen ich nach Jahren oder Jahrzehnten die Beichte abnehmen durfte. Ich kenne viele junge Paare, die von Medjugorje her die Weisheit und den Mut haben, ganz rein in die Ehe zu gehen. Ich kenne Familien, die durch Medjugorje zum Familiengebet motiviert wurden. Unter den Jugendlichen, die ich per Jugendbus nach Medjugorje begleiten durfte, waren jedes Jahr mehrere, die die Gnade einer geistlichen Berufung empfangen haben.
Diesen Aufbruch, der in das Herz der Kirche führt, möchte ich als Priester nicht missen
Ich muss diesem Zeugnis hinzufügen, dass die Jugendseelsorge bei uns in Stift Heiligenkreuz, wo monatlich hunderte Jugendliche zu einer intensiven Jugendvigil zusammenströmen, 1998 von Jugendlichen gestartet wurde, die in Medjugorje einen Glaubensaufbruch erfahren haben. Ich bin dankbar, dass ich das Phänomen Medjugorje so „von innen“ heraus, also vom substanziell Übernatürlichen her erleben durfte und darf. Wie immer die Echtheit der „Erscheinungen“ von Medjugorje einmal beurteilt werden wird: diese substanziellen Früchte, diesen geistlichen Aufbruch, der in das Herz der Kirche und ihrer Sakramente führt, möchte ich als Priester und Jugendseelsorger nicht missen.
Beim jüngsten Jugendfestival in Medjugorje waren 50 000 junge Menschen, die „normal katholisch“ beteten, beichteten, eine gesunde eucharistische und marianische Frömmigkeit lebten. Wir waren 600 Priester, aber kein einziger Bischof. Ich bete, dass die Kirche mit Vernunft und Glaube, mit Gerechtigkeit und Liebe zu einem Urteil und einer besseren Ordnung für Medjugorje kommt. Vor allem aber bitte ich Gott, dass die geistliche Fruchtbarkeit, die von dort ausgeht, weiterhin so wesentlich und kraftvoll bleibt. -
P. Karl Wallner, Stift Heiligkreuz
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